WHERE ART MEETS TECHNICAL MENSWEAR
Beide arbeiten im Geist des Experiments: Sowohl Stone Island als auch der Hamburger Künstler Paul Schrader.
Was im The Lab von Stone Island Stoffe sind, sind bei Schrader Leinwand und Farben – beides wird erforscht, geschichtet, verändert.
Gemeinsam mit BRAUN Hamburg geht der Maler mit der Mode der italienischen Sportswear-Brand in den Dialog.

PAUL SCHRADER × STONE ISLAND
Wir treffen Schrader in seinem Atelier in Hamburg-Altona – hier wohnt und arbeitet er. Das Stadthaus ist eines von fünf, die in den 1980er-Jahren aus einer ehemaligen Fabrikhalle entstanden sind: eine urbane Oase mit angrenzendem Wintergarten. Wer eintritt, spürt sofort, dass hier nichts inszeniert ist. An den weißen Backsteinwänden hängen und lehnen große Leinwände; manche vollendet, viele noch im Entstehungsprozess. Farbschichten überlagern sich, trocknen, werden erneut überarbeitet. Der Geruch von Acrylfarben liegt in der Luft, die Holzdielen tragen Spuren vergangener Arbeitstage.
Das Atelier im Zentrum des schmalen dreistöckigen Backsteinhauses ist kein Showroom, sondern ein Ort des Schaffens. Für Schrader ist es entscheidend, sich hier wohlzufühlen, denn nur so kann er seinen künstlerischen Prozess einleiten. Zu den Hip-Hop-Tracks von Nas und Tobe Nwigwe füllt sich der Raum mit Kreativität – und genau hier begegnen sich Mode und Malerei.
Sein Werdegang verweist womöglich auch auf seine Wurzeln; den Norddeutschen werden schließlich Bodenständigkeit und Disziplin nachgesagt. Sein Gespür für Gestaltung zeigte sich jedoch schon früh. Er belegte einen Kunstleistungskurs und hatte ein ausgeprägtes Interesse an Streetart – einer Kunstform, die bis heute Einfluss auf seine Werke nimmt. Genauso wie die Stadt Hamburg, welche er als seine „Basis“ bezeichnet und das typisch nordische Wetter: „Dieses Grau, das jeder Hamburger kennt, zieht einen vielleicht extra noch einmal zur Farbe. Und dann gibt es aber auch diese wahnsinnig schönen Sonnentage, wo die Stadt auf einmal ganz bunt ist. Das ist diese Mischung, die mir wirklich sehr gut gefällt.“
Schrader fasziniert aber vor allem der Prozess: wie Farben aufeinandertreffen, sich überlagern, verlaufen und ineinander verschmelzen. In vielschichtigen Arbeitsgängen trägt er sie auf, wischt sie ab, lässt sie trocknen, bis – wie er sagt – die „Komposition fliegt“. Er beschreibt es wie folgt: „Es ist ein wenig wie in der Mathematik oder in der Musik: Ein Bild kann eine Harmonie besitzen. Mit Mathematik meine ich, dass es bestimmte Abstände gibt – eine Struktur im Bildaufbau, die bei abstrakter Kunst nicht unbedingt sofort erkennbar ist, aber dennoch bestimmten Regeln folgt. So entsteht eine Komposition, die – das ist weniger eine Frage von richtig oder falsch – ein stimmiges Ganzes ergibt.“ Ist dies erreicht, entfaltet sein Werk ein dynamisches Zusammenspiel von Farbe, Form und Struktur, das den Betrachter sofort in seinen Bann zieht.
Ein vergleichbarer Prozess findet im The Lab von Stone Island statt. Dort beginnt jedes Kleidungsstück nicht mit einer Silhouette, sondern mit einem Material. Fasern werden zerlegt, Gewebe neu zusammengesetzt, Oberflächen unter Hitze, Druck und chemischer Reaktion verändert. Forschung ist hier kein begleitender Schritt, sondern Ausgangspunkt. Aus diesem fortlaufenden Experiment entstehen Textilien, die in der klassischen Bekleidungsindustrie kaum denkbar wären: Stoffe, deren Oberfläche durch Resin-Beschichtungen verdichtet und damit wasserabweisend wird; Materialien, die auf Temperatur reagieren und ihre Farbe verändern; spezielle Färbeverfahren, bei denen das Kleidungsstück erst nach der Konfektion pigmentiert wird – sodass jede Naht, jede Kante, jede Spannung im Gewebe sichtbar bleibt.
In beiden Fällen, sowohl in der Kunst als auch in der Mode, geht es um das Verständnis von Substanz, den Einsatz hochwertiger Materialien – und darum, das Potenzial eines Materials bis an seine Grenzen auszuloten.

















































